Ein Wortschwall über Denglisch

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Nicht eigentlich Denglisch, sondern eine schlechte, morphemische Übersetzung, trotzdem lustig

Für Deutsch lernende Englischsprachler ist die erbärmlichste, entsetzlichste und entmutigendste Hürde der deutsche Sprache bestimmt nicht die Wortbiegung, die Aussprache oder sogar das Genus, sondern etwas, was (zumindest lexicalisch) eigentlich nicht Deutsches ist.

Es ist das „Denglisch“, das oft als eine Mischung von Englisch und Deutsch definiert ist, aber so eine Aussage ist völlig falsch. Denglisch ist außerdem nicht durch Sprachwechsel, Kodewechsel oder Scheinanglizismen (z. B. Handy, Peeling, Oldtimer) gekennzeichnet. Denglisch ist die prahlerische, übertriebene und komplett unnötig Verwendung englischer Wörter und Ausdrücke im Deutschen.

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Sorry, but random English doesn’t make this ad any “frischer”

Ein paralleles Beispiel gebe ich euch, um das zu schildern. Es gibt Englischsprachler, die sich selbst als adelig, gebildet oder kultiviert betrachten und aus irgendeinem seltsamen Grund von der französischen Sprache so bezaubert sind, dass ihr alltägliches Englisch mit französischen Wörtern und Ausdrücken absichtlich übersät wird, auch wenn sie Französisch nicht sprechen kann. Deshalb ist ihre Aussprache der quasifranzösischen Stückchen erheblich angliziert und klingt Französischsprachlern sowohl komisch als auch unverständlich. Dies ist deutlich keine Mischung von English und Französisch, und die meisten Englischsprachler betrachten solche Leute als angeberische Deppen. So betrachte ich Deutschsprachler, die Denglisch vewenden.

Zum Spaß belausche ich diejenigen, besonders die selbstsüchtigen Karrieremenschen, die leider im Alltag Denglisch benuzten, ohne zu bemerken, dass ebenfalls im Englischen solche Ausdrücke als quälend gekünstelt gelten. Einmal begegnete ich irgendwo in NRW einem Typen, der so viel auf Englisch fluchte, dass jedes zweite Wort, das er aussprach, Englisch war. Aber als jemand ihm auf Englisch redete, flippte er wütend aus, da er Englisch nicht gut verstehen konnte. Zu dieser Zeit konnte ich kaum ausreichend Deutsch aber wusste sofort, dass dieser Typ ein lötschendötsch und die menschliche Verkörperung des Denglischen war.

Ehrlich gesagt gibt es ein paar englische Lexeme, die ins Deutsche nicht leicht übersetzt werden können, z. B. das Wort Timing im figurativen Sinn. Nur in diesen Fällen geht das. Aber in allen anderen Fällen, in den deutsche Wörter bereits zur Verfügung stehen, geht das gar nicht.

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Cool wird von Deutschsprachlern oft als „Kuh-öl“ ausgesprochen, was uns putzig klingt

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